Krieg im Nahen Osten – Was tun aus Anlegersicht?
Die aktuellen Entwicklungen im Iran, Israel und den Golfstaaten beunruhigen uns zutiefst und unsere Gedanken sind bei den Menschen vor Ort, die täglich um ihr Leben und ihre Lieben bangen.
Wie schon so oft in den letzten 25 Jahren vermitteln uns die gezeigten Bilder den Eindruck chirurgischer Präzision, die es niemals geben wird. Wann immer uns in Videospiel-Optik ein in einer Aschewolke verschwindendes Gebäude präsentiert wird, sind „humane Kollateralschäden“ nicht weit. Zudem wird auch dieser Krieg katastrophale Umweltschäden herbeiführen, über die nur selten berichtet wird.
Hinsichtlich Ihrer Geldanlagen wirkt unser erster Befund eher nüchtern, vielleicht sogar abgedroschen: Erstmal Ruhe bewahren!
Was meinen wir damit? Derzeit ist es schwer abzuschätzen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Der aus unserer Sicht wichtigste Faktor ist Zeit bzw. die Frage, wie lange die USA und der Iran den Konflikt ziehen können:
Für die USA verursacht der Materialverbrauch in der Luftraum-geprägten Auseinandersetzung extreme finanzielle Kosten. Zudem kann sich Trump bei seinen ohnehin schon schlechten Umfragewerten weder einen hohen Ölpreis noch sonstige Inflationsgefahren und damit höhere Zinsen leisten, wenn er bei den Mid-Terms im Herbst Chancen haben will. Schon jetzt ist der innenpolitische Druck hoch, die Amerikaner wollen mit großer Mehrheit keinen Krieg. Wenn jetzt noch eigene Soldaten in Zinksärgen nach Hause kommen, könnte die Stimmung gegen Trump weiter eskalieren und ihn zu einer Lame Duck in der zweiten Halbzeit seiner Amtsperiode machen. Trump braucht also schnelle Lösungen.
Zum anderen ist die iranische Bevölkerung nach den Erfahrungen bei den Protesten zum Jahreswechsel vermutlich nur schwer zu einem „Wandel von innen“ zu bewegen. Das herrschende Regime wird mit aller Macht um sein Überleben kämpfen und hat mit der Straße von Hormus, Drohnenangriffen auf die Infrastruktur der Golfstaaten und ballistischen Raketen mehrere Faustpfänder. Die Mullahs wissen, dass für die USA ein Regimewechsel aus der Luft nicht zu erreichen ist und der Einsatz von Bodentruppen politischer Selbstmord wäre. Der Zeitfaktor arbeitet also deutlich für den Iran.
Von daher gehen wir von einer eher kurzen Dauer der Kampfhandlungen aus. Das Zeitfenster lässt sich aber nicht prognostizieren, zumal Israel andere Kriegsziele als die USA hat und die dauerhafte Gefährdung durch den Iran endgültig beseitigen wollen. Die Gefahren sehen wir vor allem darin, dass Trump seinen strategischen Fehler nicht rechtzeitig einräumen will. Ohnehin scheint die US-Administration keinen erkennbaren Plan und vor allem keine klare Exit-Strategie zu haben. Die Kakophonie zwischen Trump, Hegseth und Rubio spricht Bände.
Wenngleich die Auseinandersetzungen regional begrenzt sind, reagieren die globalen Märkte empfindlich. Denn die Gefährdung eines wesentlichen Anteils der globalen Öl- und Gasversorgung treibt die Energiepreise in die Höhe, was bei längerem Verweilen auf erhöhtem Preisniveau signifikante Inflationsschocks verursacht, mit negativen Folgen für Wachstum und Zinsen. Zudem nehmen die Force-Majeure-Erklärungen zu, d.h. wichtige Rohstofflieferanten berufen sich auf höhere Gewalt und stellen Verschiffungen von Energierohstoffen und Metallen ein, zuletzt Aluminium Bahrein.
Bisher ist die Reaktion der Börsen auf den Krieg recht gemäßigt. Vermutlich erinnern sich die meisten Investoren an das alte Sprichwort „politische Börsen haben kurze Beine“ und setzen auf unsere These einer nur kurzen Auseinandersetzung. Die historische Perspektive unterstützt diese Sichtweise: Wenn man sich die großen Konflikte mit Iran-Bezug seit dem Zweiten Weltkrieg ansieht, zeigt sich, dass diese Ereignisse für Aktienanleger paradoxerweise oft attraktive Einstiegsgelegenheiten boten:
Wie die Tabelle von Barclays Research zeigt, gab es unter 11 früheren Vorfällen mit Beteiligung des Irans nur einen einzigen Fall, in dem US-Aktienanleger sechs Monate später tatsächlich im Minus lagen. Im Durchschnitt hatten sie ihre Verluste bereits rund einen Monat nach dem jeweiligen Ereignis wieder aufgeholt. Auch wenn es diesmal anders kommen kann und man das durch die jüngsten Entwicklungen verursachte Leid keinesfalls ausblenden sollte, legt die Historie nahe, dass die aktuelle Marktkorrektur eine Chance für diejenigen sein könnte, die ihre Aktienquote erhöhen wollen.
Für uns ist der Zeitpunkt für nennenswerte Käufe am breiten Aktienmarkt noch zu früh. Wir nutzen aber jetzt schwache Tage, um für unsere Kunden und auch selbst Positionen in unseren Dauerempfehlungen auszubauen. Unser Weltbild und unsere Kernüberzeugungen haben sich angesichts des Krieges nicht geändert, sondern verfestigt:
- Wir sehen die globale Verschuldung und hier speziell die im weltweit wichtigsten Kapitalmarkt USA für nicht dauerhaft steuerbar. Durch den Krieg werden die Schulden nochmals steigen, die Situation verschärft sich. Wir gehen weiter von einer Abwertung von Papiergeld und damit einem Wertzuwachs bei Gold
- Die Rohstoffknappheit wird angesichts viel zu geringer Exploration ebenfalls bleiben. Die Verfügbarkeiten ausreichender und günstiger Energie sowie wichtiger Metalle werden zu Determinanten für das Wachstum aller Länder. Der Krieg wird die Frage nach der Liefersicherheit eher befeuern. Von daher halten wir auch an den von uns empfohlenen Rohstoffpositionen fest.
Wir beobachten die Märkte aufmerksam, lassen uns aber nicht vom permanenten Nachrichtenfluss treiben. Unsere Anlagestrategie bleibt unverändert, der Fokus muss auf Sachwerten liegen. Der Krieg wird das von uns prognostizierte stagflationäre Szenario eher begünstigen, das Rohstoffe und Edelmetalle zu Gewinnern macht.
Wir wünschen uns ein baldiges Ende dieses Krieges, nicht nur aus Anlegersicht sondern vor allem anderen, damit sich die Opferzahlen nicht noch weiter erhöhen.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Borgs
Vorstand / Asset Management



