Krieg im Nahen Osten – Was tun aus Anlegersicht?
Die aktuellen Entwicklungen im Iran, Israel und den Golfstaaten beunruhigen uns zutiefst und unsere Gedanken sind bei den Menschen vor Ort, die täglich um ihr Leben und ihre Lieben bangen. Wie schon so oft in den letzten 25 Jahren vermitteln uns die gezeigten Bilder den Eindruck chirurgischer Präzision, die es niemals geben wird. Wann immer uns in Videospiel-Optik ein in einer Aschewolke verschwindendes Gebäude präsentiert wird, sind „humane Kollateralschäden“ nicht weit. Zudem wird auch dieser Krieg katastrophale Umweltschäden herbeiführen, über die nur selten berichtet wird.
Hinsichtlich Ihrer Geldanlagen wirkt uns erster Befund eher nüchtern, vielleicht sogar abgedroschen: Erstmal Ruhe bewahren!
Die gravierendsten Marktveränderungen fanden bisher an den Rohstoffmärkten statt. Die Gefährdung eines wesentlichen Anteils der globalen Öl- und Gasversorgung treibt die Energiepreise in die Höhe. Die Force-Majeure-Erklärungen nehmen zu, d.h. wichtige Rohstofflieferanten berufen sich auf höhere Gewalt und stellen Verschiffungen von Energierohstoffen und Metallen ein, zuletzt Aluminium Bahrein. Auch die Preise für Dünger sind erheblich gestiegen.
Sollten sich die Öl- und Gaspreise und die Notierungen weiterer wichtiger Rohstoffe längerfristig auf dem jetzigen Preisniveau halten oder sogar noch teurer werden, sind signifikante Inflationsschocks zu erwarten, mit negativen Folgen für Wachstum und Zinsen. Daran hat aber keine der beteiligten Kriegsparteien ein Interesse.
Bisher ist die Reaktion der Börsen auf den Krieg recht gemäßigt. Vermutlich erinnern sich die meisten Investoren an das alte Sprichwort „politische Börsen haben kurze Beine“ und setzen auf unsere These einer nur kurzen Auseinandersetzung. Die historische Perspektive unterstützt diese Sichtweise: Wenn man sich die großen Konflikte mit Iran-Bezug seit dem Zweiten Weltkrieg ansieht, zeigt sich, dass diese Ereignisse für Aktienanleger paradoxerweise oft attraktive Einstiegsgelegenheiten boten:
Wie die Tabelle von Barclays Research zeigt, gab es unter 11 früheren Vorfällen mit Beteiligung des Irans nur einen einzigen Fall, in dem US-Aktienanleger sechs Monate später tatsächlich im Minus lagen. Im Durchschnitt hatten sie ihre Verluste bereits rund einen Monat nach dem jeweiligen Ereignis wieder aufgeholt. Auch wenn es diesmal anders kommen kann und man das durch die jüngsten Entwicklungen verursachte Leid keinesfalls ausblenden sollte, legt die Historie nahe, dass die aktuelle Marktkorrektur eine Chance für diejenigen sein könnte, die ihre Aktienquote erhöhen wollen.
Wir nutzen jetzt schwache Tage, um in unseren Dauerempfehlungen für unsere Kunden und auch selbst Positionen auszubauen. Der Zeitpunkt für ungezielte Käufe am breiten Aktienmarkt ist noch zu früh.
Unser Weltbild und unsere Kernüberzeugungen haben sich angesichts des Krieges nicht geändert, sondern verfestigt:
- Wir sehen die globale Verschuldung und hier speziell die im weltweit wichtigsten Kapitalmarkt USA für nicht dauerhaft steuerbar. Durch den Krieg werden die Schulden nochmals steigen, die Situation verschärft sich. Wir gehen weiter von einer Abwertung von Papiergeld und damit einem Wertzuwachs bei Gold
- Die Rohstoffknappheit wird angesichts viel zu geringer Exploration ebenfalls bleiben. Die Verfügbarkeiten ausreichender und günstiger Energie sowie wichtiger Metalle werden zu Determinanten für das Wachstum aller Länder. Der Krieg wird die Frage nach der Liefersicherheit eher befeuern. Von daher halten wir auch an den von uns empfohlenen Rohstoffpositionen fest.
Wir beobachten die Märkte aufmerksam, lassen uns aber nicht vom permanenten Nachrichtenfluss treiben. Unsere Anlagestrategie bleibt unverändert, der Fokus muss auf Sachwerten liegen. Der Krieg wird das von uns prognostizierte stagflationäre Szenario eher begünstigen, das Rohstoffe und Edelmetalle zu Gewinnern macht.
Wir wünschen uns ein baldiges Ende dieses Krieges, nicht nur aus Anlegersicht sondern vor allem anderen, damit sich die Opferzahlen nicht noch weiter erhöhen.
Mit freundlichen Grüßen
Carsten Kümpers
Vorstandsvorsitzender
Martin Borgs
Vorstand



