Das volatile erste Börsenhalbjahr 2026 – Warum sich das Schuldenproblem verschärft

Edelmetalle und Rohstoffe bieten gute Chancen für Neuinvestitionen und Zukäufe

Das erste Halbjahr 2026 konfrontierte Anleger mit einer kaum zu bewältigenden Nachrichtenflut. Es begann mit der Entführung Maduros in Venezuela und der Berufung von Kevin Warsh zum neuen US-Notenbankchef. Im Februar folgte dann der Angriff Israels und der USA auf den Iran, später die Schließung der Straße von Hormus und ein Ölpreisschock. In den kommenden Monaten gab es immer wieder vermeintlich anstehende Friedensschlüsse, die im Juni in einen unsicheren Frieden mündeten. Im Ukrainekrieg sind die Russen mit empfindlichen Teilniederlagen und Angriffen auf das eigene Staatsgebiet konfrontiert.

Das global wichtigste Wirtschafts- und Börsenthema war unverändert Künstliche Intelligenz. Im Januar startete die sog. SaaS-Pokalypse (Software as a Service), das neue KI-Modell von Anthropic könnte zu einem Sterben der Softwarefirmen führen, u.a. brachen die Kurse von Microsoft oder SAP deutlich ein. Stattdessen spielten die Weltbörsen das Thema Halbleiteraktien (Semiconductors), die vor allem im 2. Quartal in völlig irrationalem Maß anstiegen und das Halbjahresergebnis vieler großer Börsen maßgeblich beeinflusste.

Entsprechend entwickelten sich Aktienindizes mit einer hohen Gewichtung von Halbleiteraktien am besten. So gewann der japanische Nikkei um + 40 %, die Börse in Südkorea + 95 %, der Schwellenländerindex mit Taiwan (u.a. Taiwan Semiconductors) um rd. 27 %, während der amerikanische S&P 500 immerhin noch + 8 % erzielte und der deutsche DAX nur magere + 2 %. Im DAX stach zumindest Infineon mit + 114 % heraus.

Ein weiterer Gewinner des 1. Halbjahres waren Öl- und Gasaktien. Wir freuen uns für die Anleger, die unserer Empfehlung für den BGF World Energy gefolgt sind. Auch wenn die Ölpreise derzeit wieder fallen, gehen wir weiter von mittelfristig erheblich höheren Ölpreisen aus und kaufen jetzt sogar nach.

Dagegen erlebten Anleger in Edelmetall- und Rohstoffaktien eine Achterbahnfahrt mit einem am Ende eher schwachen 1. Halbjahr. Noch Ende Januar lag der Goldpreis bei 5.594 US$ je Unze, fiel seitdem aber um rd. 29 %. Noch schlimmer erwischte es den Silberpreis, der sich seit seinem Hoch bei 121 US$ je Unze mehr als halbierte.

Entscheidend für diese auf den ersten Blick widersinnige Entwicklung waren zwei Gründe: Zum einen führte der Irankonflikt zu Einnahmeausfällen bei den Anrainerstaaten, die danach Gold zur Beschaffung von Nahrungsmitteln und Waffen verkaufen mussten. Dasselbe gilt auch für Russland, das zunehmend wirtschaftliche Probleme mit der Finanzierung des Ukrainekriegs bekommt. Der zweite und aus unserer Sicht noch wichtigere Grund ist der neue US-Notenbankpräsident Warsh. War man zu Jahresbeginn noch davon ausgegangen, dass die USA die Zinsen mindestens zwei Mal in diesem Jahr senken, geht man aufgrund der gestiegenen Inflation und der Äußerungen Warshs inzwischen von keinen Senkungen und im worst case sogar von Zinserhöhungen aus. Das führte auch zu einem Anstieg des US-Dollar, der die Edelmetalle ebenfalls belastete.

Wir sehen die Preisrückgänge bei Edelmetallen als hervorragende Neu- oder Nachkaufchance, denn an den wichtigsten langfristigen Trends hat sich nichts geändert:

Seit dem Jahr 2000 bis Ende 2025 haben sich die globalen Staatsschulden von 19,71 Billionen (Bio.) US$ auf 111 Bio. US$ erhöht.

Inzwischen betrifft das Thema nicht nur die USA, Japan oder die EU, auch China und die Schwellenländer sind zu Schuldensündern mutiert.

Die gesamte Welt lebt auf Pump, dieser Trend wird sich nicht umkehren lassen, sondern eher noch beschleunigen. In einer solchen Welt wird sich Geld entwerten müssen.

Damit bleiben Edelmetallpreise bei allen Schwankungen auf Dauer solide unterstützt. Auch deswegen haben Notenbanken weltweit im 1. Halbjahr netto 244 Tonnen Gold gekauft.

Gleichzeitig erlauben die Schulden keine höheren Zinsen, denn es gäbe weltweit Staatsbankrotte. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass die USA derzeit rd. 1,3 Bio. US$ jährlich nur für Zinsen ausgeben, das entspricht rd. 15 % aller Steuereinnahmen.

Aktuell liegen die Schulden bereits bei 39,3 Bio. US$, Tendenz stark steigend. Die Angst vor Zinssteigerungen ist unbegründet.

Auch im Rohstoffsektor sehen wir keine Anzeichen, dass sich an unserer Prognose für einen mehrjährigen Superzyklus etwas geändert hätte.

Der Bedarf an Rohstoffen wird in den nächsten Jahren dauerhaft hoch bleiben. Die Nachfrage kommt aus Infrastrukturinvestitionen (neuerdings auch vom Militär), Elektromobilität und Strombedarf u.a. für KI:

Die linke Grafik zeigt, wie der Strombedarf für Rechenzentren schon bis 2030 explodieren wird (blaue Felder) und dass der Anteil der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (rot-gestrichelt) noch stärker steigt. Schon jetzt sind daher Angebotsengpässe bei kritischen Metallen (rechte Grafik) absehbar, die sich bis Mitte der 2030er Jahre weiter beschleunigen. Die Rücksetzer bei Rohstoffaktien sind vorübergehend und wir empfehlen Nachkäufe, die wir auch selbst vornehmen. Die Bewertungen sind derzeit extrem günstig:

Die linke Grafik zeigt, dass sich Rohstoffaktien (schwarz) bei steigenden Rohstoffpreisen signifikant besser entwickeln als der Basisrohstoff (blau). Die Bewertung ist im Vergleich zu anderen Aktien extrem gering (rechte Grafik). Ein einziges MAG7-Unternehmen (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia und Tesla) ist mit Ø 3,2 Bio. US$ bewertet, während alle Uranaktien der Welt zusammen nur 99 Mrd. US$ kosten. Konkret ist z.B. Microsoft rd. 30 Mal so hoch bewertet wie sämtliche Uranunternehmen der Welt. Dabei lässt sich das Angebot bei fast allen Rohstoffen nicht mehr beliebig erhöhen:

Obwohl der Silberpreis vor allem seit 2016 deutlich gestiegen ist (gelb), stagniert die globale Silberproduktion seit 2014 weitgehend (blaue Linie). Der Silberpreis wird steigen.

Dasselbe gilt für fast alle anderen Metalle, überall gibt es Defizite und neue Produktionsvorkommen sind nicht in Sicht. Steigende Rohstoffpreise und Gewinne bei Minenaktien sind damit absehbar.

Das erste Börsenhalbjahr 2026 hat an unseren Basisüberzeugungen nichts geändert.

Die globale Verschuldung hat ein Ausmass erreicht, das die Entwertung von Papiergeld unverzichtbar macht. Das globale Finanzsystem steht auf tönernen Füßen und kann teilweise nur noch über statistische Tricks aufrecht erhalten werden. So favorisiert der FED-Chef Warsh die sog. „trimmed inflation“, d.h. dass die jeweiligen Güter des Warenkorbes mit den höchsten und niedrigsten Preissteigerungen aus der Berechnung gestrichen werden. In der Konsequenz sinkt die offiziell ausgewiese Inflationsrate und damit kann man begründen, warum ggfs. doch Zinssenkungen möglich bzw. Zinserhöhungen verzichtbar sind. Damit kann man den Gesamttrend aber nicht aufhalten, die Inflation wird weiter steigen und damit die Preise für Sachwerte.

Wir sehen unverändert gute Chancen bei ausgesuchten Aktien.

FAZIT:

In einer völlig überschuldeten Welt meiden wir Anleihen, die Zukunft gehört den Sach- und nicht den Geldwerten. Die tägliche Nachrichtenflut verstellt den Blick auf die maßgeblichen Langfristtrends, in dieser Dekade der Stagflation werden Rohstoffe und Edelmetalle zu den Hauptgewinnern gehören.